Hospiz- und Palliativnetzwerktreffen

Veröffentlicht am 13.07.2022 in Allgemein

„Nach unserer Überzeugung gibt es kein größeres und wirksameres Mittel zu wechselseitiger Bildung als das Zusammenarbeiten.“ - Johann Wolfgang von Goethe

Wichtiger Bestandteil der Hospiz- und Palliativmedizin ist der Austausch und die bereichsübergreifende Zusammenarbeit. Darum hat es mich sehr gefreut, das gestrige Hospiz- und Palliativnetzwerkstreffen als Vorsitzende des Landesverbandes für Hospizarbeit und Palliativmedizin Sachsen zu eröffnen und die Teilnehmer:innen begrüßen zu können.

 

Hier ein Auszug aus meinem Grußwort: "Das Sterben ist ein normaler Teil des Lebens, doch das Reden über den Tod sowie der gesamte Umgang mit ihm fällt den meisten Menschen immer noch schwer. Deshalb müssen wir diese Lebensphase immer wieder thematisieren. Nur so ist es möglich gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und allen einen gerechten Zugang zu einer menschenwürdigen Begleitung und Versorgung am Lebensende zu ermöglichen. Um diese Veränderung voranzubringen, müssen wir unsere Arbeit mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Denn dadurch können die Gesellschaft und politische Akteure für die wichtige Arbeit sensibilisiert werden und daran teilhaben die Richtung im Umgang mit dem Sterben zu ändern.

 

In diesem Zusammenhang möchte ich die Bedeutung der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen hervorheben. Ihre Entwicklung war und ist ein bedeutender Schritt, auch mit Blick auf die sich verändernden Rahmenbedingungen rund um das Sterben: Wir sind als Gesellschaft mit einem demografischen Wandel konfrontiert. Zudem werden unheilbare Erkrankungen immer bedeutender, was dazu führt, dass sich das Sterben mehr und mehr aus dem familiären Kontext in professionelle Einrichtungen verschiebt.

 

Als Vorsitzende des Landesverbandes für Hospiz- und Palliativmedizin sowie als gelernte Krankenschwester, Hospizkoordinatorin und Politikerin ist das Aufklären über die Ziele der Charta sowie ihre Umsetzung ein wesentlicher Bestandteil meiner täglichen Arbeit. Die Charta anzuwenden ist zentral im Umgang mit den Themen Sterben, Tod und Trauer. Die Fortbildung und Aufklärung über ihre Inhalte und Ziele sowie die Weiterentwicklung dieser, sollten in einer sozialen und gemeinschaftlichen Öffentlichkeit stark verwurzelt sein. Und das nicht nur als Blitzlicht, sondern als Baustein, der fest verankert ist in der letzten Lebensphase.

 

Im letzten Jahr konnten wir das zehnjährige Jubiläum der Charta feiern und auf ihre entscheidenden Auswirkungen zurückblicken. Ein wichtiger Meilenstein war ihre Unterzeichnung durch die Staatsministerin Petra Köpping für den Freistaat Sachsen gemeinsam mit dem Sächsischen Städte- und Gemeindetag e.V. und dem Sächsischen Landkreistag e.V.. Denn so wird sichergesellt, dass die Bürgerinnen und Bürgern der Zugang zu angemessener Hospiz- und Palliativversorgung zusteht, egal in welcher Kommune oder Landkreis sie wohnen.

Diese positiven Entwicklungen der letzten Jahre sollen aber nur der Anfang sein. Darum werde ich mich weiterhin dafür engagieren, dass sich viele Kommunen, Institutionen sowie Privatpersonen, angesprochen fühlen, die Charta ebenfalls zu unterschreiben und sich dadurch für ein würdevolles Sterben einzusetzen sowie das Sterben als Phase des Lebens anzuerkennen und dies im Alltag auch umzusetzen.

 

Dazu tragen Netzwerkkonferenzen wie diese entscheidend bei. Wichtiger Bestandteil der Hospiz- und Palliativmedizin ist der Austausch und die bereichsübergreifende Zusammenarbeit in der praktischen Ausübung sowie in der Forschung. Genau deshalb sind Treffen, wie das heutige von so großer Bedeutung.

 

Dementsprechend ist es schön und wichtig, dass heute hier Mitarbeiter:innen aus verschiedenen Bereichen der Hospizarbeit und Palliativversorgung und den Beratungsstellen sowie die Entscheidungsträger der Verbände, die Kostenträger und Vertreter:innen aus der Politik zusammenkommen. Das Wissen und die Erfahrungswerte, welche heute ausgetauscht werden, sind wesentlich für die Weiterentwicklung der Hospiz- und Palliativarbeit. Wir alle haben bei diesem Thema viele Schnittstellen und diese Synergien sollten wir heute und in Zukunft nutzen."