
Die sitzungsfreie Zeit des Sächsischen Landtags nutze ich für Gespräche wie zum Beispiel mit Jörg Geithel, dem Vorsitzenden des Obstbauverbands Sachsen & Sachsen‑Anhalt. Bei seinem Besuch in Aue ging es um die gegenwärtige Situation der Obstbaubetriebe. Über das Jahr kämpft man an mehreren Fronten: Spätfröste, Hitzeperioden, Unwetter mit Hagel, die unsichere Wasserverfügbarkeit, steigende Arbeitskosten und zunehmender Wettbewerbsdruck durch Importe.
Wasser, Frost- und Pflanzenschutz: Infrastruktur ist entscheidend
Ein Beispiel aus Ostsachsen: das Stadtgut Görlitz. Hier wären die Frostschäden geringer ausgefallen, wenn in den kritischen Nächten eine Wasserentnahme für die Frostschutzberegnung gestattet gewesen wäre. (Dies fällt in den Zuständigkeitsbereich der unteren Wasserbehörde des Landratsamts.)
Die Frage, ob für wenige Frostnächte Ausnahmen möglich sind, ist nicht geklärt. Es geht nicht um eine dauerhafte Entnahme, sondern um begrenzte Zeiträume während der Spätfrostphase, meist zwischen Mitte April und Mitte Mai.
Ein Ortstermin ist in Planung. Als Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt und Landwirtschaft will ich Erzeuger und Behörden zusammenbringen, damit im Frühjahr 2027 konkrete Lösungen ausgehandelt sind.
Beim Pflanzenschutz standen u. a. Zulassungsverfahren und Notfallzulassungen zur Diskussion. Eine Bundesratsinitiative aus Sachsen zur Rolle des Umweltbundesamtes befindet sich bereits im Kabinettsverfahren. Planungssicherheit bleibt für die Betriebe entscheidend.
Saisonarbeitskräfte und faire Bedingungen: Regeln müssen praxistauglich sein
Viele Obstbaubetriebe sind auf Saisonarbeitskräfte angewiesen. Diskutiert wurden Drittstaatenregelungen, Kontingente und die 90‑Tage‑Regelung. In der Arbeitsalltag führt der Nachweis vorheriger Beschäftigungen oft zu Unsicherheiten und Haftungsrisiken. Beim Mindestlohn wurde klar: Es geht nicht um eine Absenkung, sondern um faire Wettbewerbsbedingungen im europäischen Vergleich und spezifische Regelungen für Saisonarbeit.
Deutlich wurde: Viele Betriebe stehen vor Aufgaben, die sie allein nicht lösen können. Wasserzugang, Frostschutz, Zulassungen und klare Regeln für Saisonkräfte entscheiden auch darüber, ob und wie der Obstbau in Sachsen eine Zukunft hat.






