
Am 27. April 2026 durfte ich Vertreterinnen und Vertreter des Autismusvereins Dresden e. V. zu einem intensiven Fachgespräch im Sächsischen Landtag begrüßen. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Fraktionen sprachen wir über die aktuelle Versorgungslage und die Teilhabechancen von Menschen im Autismus-Spektrum sowie ihrer Angehörigen.
Dieses Thema ist für mich weit mehr als ein politischer Programmpunkt: Als Mutter eines Sohnes im Autismus-Spektrum kenne ich viele der täglichen Hürden, Kämpfe und emotionalen Belastungen betroffener Familien aus eigener Erfahrung.
Angespannte Versorgungslage in Sachsen
Im Gespräch wurde deutlich, dass die Unterstützungssituation im Freistaat weiterhin äußerst angespannt ist. Ein zentrales Problem bleibt der Weg zur Diagnose: Familien berichten von langen Wartezeiten und bürokratischen Hürden, die eine frühzeitige Förderung erschweren. Diskutiert wurde unter anderem, wie Kinderkliniken der Maximalversorgung stärker in den diagnostischen Prozess eingebunden werden können. Denn frühzeitige Unterstützung ist entscheidend dafür, dass autistische Menschen ihren Weg möglichst stabil und selbstständig gehen können.
Inklusion braucht individuelle Lösungen
Ein weiterer Schwerpunkt war die schulische Inklusion, insbesondere das sogenannte „Pooling“ bei Schulbegleitungen. Solche Konzepte können in bestimmten Fällen sinnvoll sein. Kinder mit hohem Unterstützungsbedarf brauchen jedoch verlässliche Eins-zu-eins-Betreuung. Pauschale Lösungen dürfen niemals über das Wohl des einzelnen Kindes gestellt werden. Auch die Übergänge zwischen Schule, Hort und Ferienbetreuung müssen besser gestaltet werden, da sie für viele Familien eine besondere Belastung darstellen.
Weniger Bürokratie, mehr Sensibilität
Besonders eindrücklich waren die Schilderungen zum hohen Verwaltungsaufwand. Viele Familien verbringen Woche für Woche mehrere Stunden mit Behördenangelegenheiten. Auch dass mit dem Erreichen der Volljährigkeit Pflegegrade oder Leistungen oft erneut mühsam erstritten werden müssen, ist eine unnötige Belastung. Hier braucht es einfachere Verfahren, mehr Sensibilität in den Behörden und den Mut, vorhandene Ermessensspielräume im Sinne der Menschen zu nutzen.
Landesweite Autismusstrategie im Blick
Ein zentrales Anliegen des Vereins bleibt die Umsetzung einer landesweiten Autismusstrategie. Dabei kam auch die noch ausstehende ISG-Studie zur Sprache. Nach meinem aktuellen Kenntnisstand erfüllt diese noch nicht die ursprünglich gesetzten Erwartungen und wurde zur Nachbesserung zurückgegeben.
Ich habe zugesagt, den Autismusverein Dresden hierzu weiter engmaschig auf dem Laufenden zu halten. Denn nur durch den kontinuierlichen Dialog mit Fachpraxis und Betroffenen können politische Strategien so entwickelt werden, dass sie im Alltag der Menschen tatsächlich ankommen.






